Dienstag, 27. Februar 2018

Ein Arrangement für Vibraphon, Percussion, Gitarre und Trompete


Die Bremer Stadtmusikanten

Ulrich Chmel, Wien


Die Figuren und die Bühnenbilder

 
Anfänglich war bloß der Wunsch in mir, ein neues Stück zu produzieren.  Heute kann ich überhaupt nicht mehr sagen, wie ich auf die Idee gekommen bin, das  Märchen  DIE BREMER STADTMUSIKANTEN  zu dramatisieren. Jedenfalls habe ich im Lauf des Jahres 2016 damit begonnen, die ersten Bühnenbildentwürfe für dieses schöne Märchen zu entwerfen. Ich hatte dabei jene Landschaft vor Augen, die ich bei einem Aufenthalt am "Jadebusen"  kennengelernt hatte.   "Am Donnerstag kannst Du sehen, wer am Samstag zu Besuch kommt!" sagen die Menschen dort, um diese flache Landschaft zu beschreiben. Es sollten ganz eigenständige Bühnenbilder werden, welche den Zuschauern die Illusion vermitteln am Ufer der Nordsee zu sein.  Tuschstift und Airbrush waren die Zeichen- und Malmittel, mit welchen ich diese
ersten Entwürfe gemacht habe.

ESEL, HUND, KATZE UND HAHN



 

Als ich dann dazu Figuren für die STADTMUSIKANTEN suchte, war bald klar, dass ich sie selbst zeichnen müsste, um Figuren zu bekommen, die in diese Landschaft passten.  Ich begann einmal damit die "Hauptdarsteller" zu entwerfen: ESEL,
HUND, KATZE und HAHN. Obwohl es sich bei den BREMER STADTMUSIKANTEN ja eigentlich um ein sozialkritisches Märchen handelt, sollten die Figuren aber doch leicht und ansprechend sein.

 
Da ich die Bühnenbildentwürfe mit einer dem "Airbrush" zu vergleichenden Methode koloriert hatte, ging ich daran, auch die Figuren auf diese Weise zu kolorieren.  Mit diesem "Malmittel" erzielt man eine gewisse Leichtigkeit der Farben und kann auch rhythmische  Akzentuierungen erzielen.

 DIE NEBENDARSTELLER

 
Schritt für Schritt entwickelte sich die Handlung vor meinen Augen und ich erkannte die Notwendigkeit auch die "Nebendarsteller" zu entwerfen. Bei der Arbeit verdichtete sich dieses Märchen in meiner Phantasie zu einem Beispiel dafür, dass Lebewesen, die von unserer Gesellschaft als wertlos angesehen werden, durch den Zusammenschluss ihrer Kräfte, imstande sind, großartige, ungeahnte Leistungen zu vollbringen und damit von unserer Gesellschaft wieder akzeptiert und sogar geehrt werden.

Es entstanden auf diese Weise die "Besitzer" der vier Tiere: Der Müller, der Jäger, die Besitzerin der Katze und die die Besitzerin des Hahns.  Um der Geschichte den erforderlichen Rahmen zu geben, erfand ich auch noch die Bürger, die Räuber, den Bürgermeister, den Nachtwächter und den Stadtwächter.

 

Schon während der Arbeit an den Figuren wurde mir klar,  für diese bunten Figuren ein klares und einfaches Bühnenbild entwerfen zu müssen,
 damit die handelnden "Schauspieler" nicht im "Farbbrei" untergehen.  Einfarbiger Fotokarton erschien mir dafür am besten geeignet.
 



IM RÄUBERHAUS

Einer der Räuberbande wird ja vom Räuberhauptmann in der Nacht wieder in das Haus zurückgeschickt, um nachzusehen, wer sie denn von dort vertrieben hat und ob man noch an die Beute gelangen könnte. Damit dies eindrücklich dargestellt werden kann, wird das Innere des Hauses ganz dunkel gehalten und sehr viel Leuchtkarton verwendet, um dem ganzen einen gespenstischen Eindruck  zu verleihen. In der Dunkelheit vermeint der Räuber ja auch an Stelle der Tiere Gespenster zu erkennen: Leuchtende Augen, riesige Knüppel, Krallenhände und Messer.

 

 

Die Musik

Da die Geschichte an der Nordsee spielt, wollte ich unbedingt Volksmusik aus dieser Gegend als musikalische Umrahmung für dieses Märchen einsetzen. Ich fragte sogar bei einer Papiertheaterspielerin an, die dort zu Hause ist. Ich durchforstete das Internet. ich lernte Seemannschöre kennen und dachte, dass diese nicht die wirkliche Musik zu diesem Stück sein kann.
In dieser Phase klagte ich mein Leid einer befreundeten Musikerin. Margit Schoberleitner ist Solopaukistin bei den Niederösterreichischen Tonkünstlern. Ihr umfangreiches Repertoire reicht vom Klassischen Konzert über zeitgenössische Musik und Volksmusik bis zu den Dialektsongs. Meine großartige Margit war sofort Feuer und Flamme für dieses Projekt.

 


13 Instrumente

Sie ging sofort an die Arbeit arrangierte Bestandteile aus Saint Saens "Carneval der Tiere" für Vibraphon, Xylophon, Glockenspiel, Flexaton, Vibraslapp,  4 Pauken, Rahmentrommel, Casu, Trompete, Nasenflöte, Kuckuck, Kastagnetten und  Gitarre - wow! Es wurde alles besprochen und  eine Partitur geschrieben. Margit ist ja eine hervorragende Orchestermusikerin und weiß um die Erfordernisse bestens Bescheid.
 


Aufnahme beim Tonmeister

Am festgesetzten Aufnahmetag erschien Margit mit einem Kastenwagen voll Instrumente, die nun alle in das Studio verfrachtet wurde. Nun wurde Spur für Spur aufgenommen. Oft waren es 7 Spuren für eine Sequenz. Bis auf die Gitarre wurden alle Instrumente von Margit gespielt. Tonmeister Alexander steuerte souverän diese komplizierte Aufnahme durch 16 Stunden hindurch. 

Zum Abschluss sangen wir noch im Chor ein Lied zur Melodie "Ein Hund kam in die Küche".

 

Es ist dies nun ein weiterer Versuch, eigens für ein Stück geschriebene bzw. arrangierte Musik zu verwenden. Der erste Versuch war bei IMAGINATION  mit der Auftragskomposition von Karl-Heinz Essl überraschend gut beim Publikum angekommen. Dessen elektronische experimentelle Musik wurde bisher bei 20 Vorstellungen vom Publikum ausgezeichnet angenommen. Ein weiterer Versuch, ein Stück mit Live-Gitarrenmusik zu begleiten, gelang im Herbst letzten Jahres, bei dem "Weihnachtsstück" DIE MADONNA VOM SCHNEE. Hier konnte ich einen befreundeten Gitarristen, Richard Pilkington, für eine Zusammenarbeit  gewinnen. Nun ist also das Arrangement für Vibraphon, Percussion, Trompete und Gitarre für DIE BREMER STADTMUSIKANTEN an der Reihe und ich bin vom großen Erfolg dieser tollen Musik fest überzeugt.


Freitag, 23. Juni 2017

Ein großer Tag der Freude für mich
14-jährige Teenies und Hänsel&Gretel, wie geht das?
 
Ich spiele nun schon an die 15 Jahre Papiertheater. In all  diesen Jahren hatte ich nun schon wirklich Gäste jeder Altersstufe vor meinem Bühnchen. Anfänglich spielte ich zum großen Teil fast ausschließlich für erwachsenes Publikum. Ja selbst zu den Märchenstücken kamen in erster Linie Erwachsene, die mit großer Lust wieder in die Kindheit versetzt werden wollten.  Dabei bemerkte ich, dass sich Erwachsene sehr gerne in das Reich der Phantasie holen lassen und mit großer Freude z.B. den "Gestiefelten Kater" ansehen, oder beim "Mädchen mit den Schwefelhölzchen" verschämt weinen. Eine ältere Dame hat einmal nach einer Vorstellung der Herbergsuche "Jessasmariaundjosef" gerührt zu mir gesagt, dass dies jetzt für sie Weinachten im wahrsten Sinne des Wortes war. Eine ähnlich tolle Ansage habe ich oft nach dem LOHENGRIN FÜR EILIGE oder TANNHÄUSER KURZ UND GUT gehört: "Endlich habe ich den Lohengrin verstanden." oder "Danke für diese romantische Wagner-Inszenierung!".
 Danach durfte ich erste Erfahrungen mit kleinen Kindern im MÖP Figurentheater machen. Dies war neu für mich. Und ich habe sehr schnell den Kontakt zu diesen kleinen Zuschauern gefunden, in dem ich mich vor den Vorstellungen bereits mit ihnen "auf Augenhöhe" unterhalten habe und auch nach den Vorstellungen ihnen den Wunsch erfüllte, selbst mit den Figuren zu spielen. Das ist ja überhaupt das schönste und wichtigste für die Kinder (von 4 bis 100!).
Der Workshop "Von der Schuhschachtel zum Papiertheater" brachte mich sehr rasch mit den 10 - 11 Jährigen in Kontakt. Und ich entdeckte, dass trotz aller Fernseh- und Videopraxis die Phantasie noch immer ansprechbar ist und diese kleinen Workshopteilnehmer durch das Bauen der Bühne und der Figuren, beim anschließenden spielen von HÄNSEL&GRETEL "voll in die Welt der Phantasie und des Rollenspiels" hineinkippen. Wie angenehm war dies für mich zu entdecken.
Als ich einmal eingeladen wurde für eine Gruppe von 17-jährigen Gymnasiasten den FAUST IN KÜRZE zu spielen, war ich das erste  Mal skeptisch, ob diese jungen Menschen - an der Grenze zum Erwachsen werden - dieses "Papiertheater-Getue" vielleicht lächerlich finden, oder sogar (bestenfalls) bei der Vorstellung einschlafen. Nichts von all dem ist passiert. 15 Siebzehnjährige sind voll mitgegangen, haben sogar da und dort mitgesummt und haben auch meine kleinen "Augenzwinkereien" verstanden und mit Lachen honoriert. Die Backstageführung dauerte nach dieser Vorstellung ca 1 Stunde. Beim Weggehen wurde ich mit den Worten "Das ist voll cool, was Sie da machen!" .
Nun spiele ich ziemlich genau ein Jahr mit meiner Bauchladenbühne heitere Stegreif-Versionen der Märchen "Hänsel&Gretel", "Rotkäppchen", "Schneewittchen" und "Dornröschen". Hier reichte das Publikum von 200 Erwachsenen anlässlich der Eröffnung der Papiertheater-Ausstellung im Österr.Theatermuseum bis zum Kindergeburtstag vor 4-Jährigen. Ich hatte immer glückliche Menschen vor mir!
Vor ein paar Tagen war ich wieder einmal skeptisch (wie damals bei den 17-Jährigen!), als ich kurz vor der Vorstellung erfuhr, "Es ist eine Klasse mit 14-Jährigen und die Buben können schon ein bisschen unruhig sein!". Ich bin aber voll Zuversicht an die Sache herangegangen. Der Vorteil des Stegreif-Spiels ist natürlich die Flexibilität mit Unvorhergesehenen umzugehen und spontan auf Reaktionen des Publikums einzugehen. Diese Form des Spiels erlaubt auch einen ständigen direkten Kontakt zu den Gästen zu halten. Die Darstellung des Vaters in Hänsel&Gretel als Gelegenheitsarbeiter, der täglich beim Baumarkt darauf warten muss von vorbeikommenden Menschen für eine Hilfsarbeit engagiert zu werden, erweckt auch bei jungen Menschen Kenntnis und allenfalls Verständnis für die Situation dieser Familie. Das Besprechen eines allfälligen "Ablaufdatums" des Lebkuchenhauses bringt dieses in das Verständnis der heutigen Zeit. Als die Hexe sich dann nach den Lieblingsspeisen der Kinder (Zuschauer) erkundigt, bin ich voll im Dialog mit dem Publikum. Dabei erfahre ich, dass Nu..lla-Palatschinken, Schnitzel, Gulasch, Schokokuchen und Grießnockerlsuppe zu den Lieblingsspeisen der Kinder zählt!
Kurz: Es ist mir das Kunststück gelungen 3 Klassen 14-Jähriger abzuholen und zu mir in das Reich der Phantasie und des Spiels zu bringen. Der Applaus dieses jungen Publikums war für mich der größte Lohn und das schönste Geschenk. Vielleicht ist es mir auch gelungen, dass der eine oder andere ein Zipfelchen  dieser Phantasie mitnehmen konnte.
Der Tag, an dem mir dieses Kunststück gelungen ist, wird  für lange Zeit in meiner Erinnerung bleiben. Seit dem weiß ich, dass Papiertheater (Figurentheater) ein Verzauberungsmittel für alle Menschen ist und ein kleine wenig Poesie in unsere Welt bringen kann.

Donnerstag, 25. Mai 2017

Neue Regietalente


Papiertheaterworkshop brachte sensationelle Entdeckungen zu Tage
Text Ulrich Chmel, Wien,  Fotos: Mag.J.Starzinger, Wien


Es ist jedes Mal eine große Freude für mich, für eine Schulklasse den Workshop VON DER SCHUHSCHACHTEL ZUM PAPIERTHEATER vorzubereiten. Allein der  Gedanke jungen Menschen mit ganz einfachen Mitteln die Möglichkeit  geben zu können, ihre Phantasie zum Blühen zu bringen, spornt mich an, gut vorbereitet zum Termin zu kommen.


Figuren zu Hänsel&Gretel
Es fing ja alles mit meinem Besuch des Papiertheater-Festivals in  Preetz, im Jahre 2003 an. Dort lernte ich die Möglichkeit kennen, Kindern aus einer Schuhschachtel (Schuhkarton) ein kleines Theater bauen zu lassen und danach mit selbst gezeichneten Figuren und Kulissen ein freies Theaterstück aufzuführen.  Wieder in Wien, machte ich mich daran, solch einen Workshop ins Leben zu rufen und beriet mich mit erfahrenen Lehrern und Lehrerinnen.  Diese waren von dieser Idee sehr begeistert. Gerne nahm ich den Rat an, den Kindern einen vorgezeichneten Ausschneidebogen in die Hand zu geben. Es ist erstens die Frage, ob alle Kinder einer Klasse gut zeichnen können und zweitens hat man in einer Schulklasse mit einem Zeitbudget zu tun.

Aus diesem Grunde entwarf ich einen Ausschneidebogen mit den Figuren und Kulissen für das Märchen "Hänsel und Gretel". Dieser Ausschneidebogen war nun auch  Anfang Mai die Basis des Workshops, welchen ich mit den 26 Kindern der Klasse 1A des  Bundes -Gymnasium / Bundes Realgymnasium Keimgasse in Mödling, nahe bei Wien,  durchführen wollte.

HÄNSEL&GRETEL zur  Einleitung

Spiel mit der Bauchladenbühne
Zur Begrüßung spielte ich den Kindern das bekannte Märchen in meiner der Zeit angepassten Kurzfassung auf meiner Bauchladenbühne vor und führte sie auf diese Weise in das Thema und gab ihnen auch die Gelegenheit, Ideen für die eigene "Regiearbeit"  zu gewinnen.  Immerhin fanden es viele cool, dass ich die Bühne umgehängt hatte und die Musik mit einem "Lochstreifenkurbelwerk" produzierte.  Mit großer Freude wurde mitgesungen und alles genau beobachtet.

Bastelstunde

Rasch ging es danach an die Arbeit, galt es doch das Proszenium auszuschneiden und das "Theaterhaus " damit zu bekleben. Ebenso mussten die Figuren  und Kulissen ausgeschnitten werden. Die Materialien waren ja denkbar einfach und im modernen Sinne "nachhaltig". Alte Schuhkartons wurden von mir vor dem Workshop mit dem Messer präpariert, so dass keines der   Kinder mit dem Messer arbeiten musste (Verletzungsgefahr!). Als Figurenführer  dienten "Schaschlikspiesschen". Einige Geduld und etwas Geschicklichkeit waren dann die Investition der Kinder um endlich mit dem Spiel beginnen zu können.

6 Vorstellungen in etwa einer Stunde

Die Sensation des Tages waren dann die Vorstellungen, die sich die Kinder für den Abschluss des Workshops ausgedacht hatten. Sehr gut vorbereitet von Professor Mag. Jakob Starzinger, entwickelten dann eine Reihe von Mädchen und Buben  eigene Spielideen bzw. Weiterentwicklungen des bekannten Märchens HÄNDEL&GRETEL. Moderne Überlebensstrategien im finsteren, kalten Wald wurden entwickelt. Die Hexe - eine  alte Frau mit einem Pickel auf der Nase (!) - wurde angehalten Lieblingsgerichte, wie z.B. Nu...lapalatschinken  zu backen. Das Hexenhaus wurde mit einem Panzer angegriffen und  zerstört, oder die Geschwister besetzten das Hexenhaus (Lebkuchenhaus) und wohnten fortan dort.

Meine Rolle bei diesen "Vorstellungen" war die eines Inspizienten, der mit kleinen Hilfestellungen und heftigen Feuerzauber die fantasiereichen Kinder bei Ihrer  Regie- und Darstellungsarbeit unterstützte. 

Von diesem Geschehen ging das  Faszinosum des kreativen Formen und Schaffens aus. Diese besonderen Kinder konnten trotz Fernseh- Videospielsucht und  Mobiltelefonabhängigkeit für über drei Stunden ihre großartige Phantasie ins Spiel bringen. Es bedurfte dazu lediglich eines Schuhkartons, ein bisschen  Papier und Klebstoff.

Jedes Kind  kann ab jetzt zu Hause Theater spielen


 Nach drei Stunden nahm jedes  Kind "sein Papiertheater" mit nach Hause und einige haben mir verraten, zu Hause eigene Figuren, für eigene Geschichten zeichnen zu wollen.  Ich hoffe jedes Mal, dass der Samen der (Papiertheater-) Phantasie, den ich bei dem Workshop gelegt habe, bei dem einem oder anderen jungen Menschen aufgeht und vielleicht sogar weitergetragen wird.


Mittwoch, 22. Februar 2017


Bauchladen für das Papiertheater


ein Erfahrungsbericht eines Papiertheaterspielers


von Ulrich Chmel - Wien

 
Es war ein Zufall, als ich mir eine kleine Papiertheaterbühne um den Hals gehängt habe um für Freunde in der Schweiz eine der freiesten und kürzesten Interpretationen des Märchens DORNRÖSCHEN zu spielen. Aus dieser ersten Vorstellung hat sich nun eine Praxis mit dieser kleinen Bühne entwickelt, die für mich auch in die Zukunft deutet.

Woraus die Bühne besteht

Im Prinzip besteht diese Form der Bühne aus einem Schuhkarton, welchen ich mit Holzleisten stabil mache. Interessierte können das  in meinem blog http://papiertheater.blogspot.co.at/  "DIE BAUCHLADENBÜHNE 1"  vom 1.5.16 und "DIE BAUCHLADENBÜHNE 2 vom, 30.5.16 nachlesen. Ein alter Handtaschenriemen dient dazu, diese kleine Kiste um den Hals zu hängen.

Welche Bühnenbilder und Figuren werden verwendet

Man kann alle Papiertheatervorlagen verwenden, muss sie aber auf die benötigte Maß verkleinern. Ich selbst zeichne sehr viel selbst und passe das gezeichnete dann auch an die erforderliche Kleinheit an.

Wie wird beleuchtet

Unterhalb der Bühne ist bei mir ein Batteriekasten (aufladbare Lithium-Batterien) angebracht, welche den Strom für die LED-Streifen und die "Explosionsmaschine" liefert.

Wie werden die Kulissen befestigt

Für die Bühnenbilder und Kulissen habe ich seitlich Führungsschienen konstruiert. Die Kulissen und Bühnenbilder werden von oben eingeschoben und sind durch die seitlichen Führungsschienen gesichert.

Wie werden die Figuren geführt

Die Figuren für die Bauchladenbühne sind fix an Führungsstäbchen geklebt und werden von oben gespielt. Anfänglich habe ich die Figuren seitlich geführt. Die Führung von oben bringt aber viel mehr Stabilität  und Bewegungsmöglichkeiten. Man kann die Figuren dadurch auch sehr leicht drehen und wenden.  Zum Abstellen drücke ich die Figuren in eine der Führungsschienen im  Bühnenboden.  Mit kleinen Klammern kann ich die Figurenstäbchen am oberen Rand der Bühne fixieren.

Wie wird gespielt

Ich persönlich ziehe es vor vollkommen frei zu spielen. Ich improvisiere jedes Stück jedes Mal anders. Ich spiele also stegreif. Als maximale Spieldauer habe ich mir für die Bauchladenbühne ca. 20 - 25 Minuten vorgenommen. In diesem Zeitrahmen gelingt es mir beim Publikum eine Spannung aufzubauen und auch zu halten. Dies kann also bedeuten, dass die Geschichte von HÄNSEL&GRETEL immer wieder Variationen aufweist. Das hängt von meiner Laune und meinen spontanen Einfällen aber auch von immer wieder zu hörenden Zwischenrufen des Publikums ab. Wichtig dabei ist, dass die Handlung Fixpunkte hat und zügig vorangetrieben wird.

 Wie wird Musik gemacht


Als Musikinstrumente dienen mir eine Maultrommel, ein eingebautes Kurbelspielwerk mit Lochstreifen (www.spieluhr.de) und eine Donnertrommel und kleine Perkussionsinstrumente.  Alles ohne Strom,  nur reiner Hand- oder Mundbetrieb.




Einbeziehung des Publikums


Ich habe mit der Bauchladenbühne seit dem Juni 2016 nun schon vor über 900 Gästen gespielt und dabei die Erfahrung gemacht, dass das Publikum in der Mehrzahl der Fälle besonders gerne "mitspielt" und "mitsingt". Immer wieder fordere ich die Zuschauer auf eine "abgespielte" Figur oder Kulisse aufzupassen. Solchen Bitten kommen die Gäste immer sehr gerne nach. Mit besonderem Interesse werden auch die Figuren begutachtet. Mit der Frage "Was sagen Sie zu einem solchen Prinzen. Können wir den zur Prinzessin vordringen lassen?"  löse ich regelmäßig Begutachtungen der Figuren aus und alle  weiblichen wollen diesen Prinzen sehen. Natürlich wollen alle Männer dann die Figur der Prinzessin aus der Nähe sehen. Einmal wurde die Prinzessin sogar von einem alten Herrn geküsst!

Mit großer Freude singt das Publikum bei den vorgetragenen Liedern mit und lässt sich mit Leichtigkeit von mir dazu verführen. Naturgemäß müssen es Texte sein, welche die Menschen seit ihrer Kindheit kennen. Letzthin bin ich vor 200 Zuschauern mit diesem kleinen Bühnchen gestanden und habe meinen Vortrag mit der suggestiven Frage eröffnet "Wie beginnt ein Märchen? ..... Es ...."
dann setzten alle, wie ein Chor ein: ...."war einmal".

Naturgemäß werden jetzt die geneigten Leser die  Frage stellen, wie denn 200 Menschen einer Vorstellung folgen können,  die in einem Bühnenausschnitt von ca. 20 x 18 cm spielt. Die Antwort ist verblüffend: Besser als auf der Bühne mit 40 x 30 cm Bühnenausschnitt. Der Bauchladen ist vor dem sitzenden Gast genau in Augenhöhe und ich gehe mit der Bühne während des Vortrages von Gast zu Gast. Wenn dabei jemand fotografieren möchte bleibe ich stehen und ziehe diese Situation-  sehr zur Unterhaltung der anderen - in die Handlung ein. Bei den 200 Gästen gab es vier Sitzblöcke und ich bin also in Achterschleifen immer durch den Saal gegangen und habe dadurch eine sehr enge Beziehung zum  Publikum herstellen können.

Die Einbeziehung des Publikums erreicht bei HÄNSEL&GRETEL jeweils dann den Höhepunkt, sobald der HÄNSEL feststellt, dass die Dachziegel des Knusperhauses aus Schokolade sind und ich dann an das Publikum kleine Naps (kleine verpackte Schokoladestücke) verteile.

 

 

 

Wer ist das Publikum


Ich habe mit der Bauchladenbühne seit dem Juni 2016 vor Kindergartenkindern, Schulkindern, Erwachsenen,  alten Menschen, gemischten Gruppen und vor Behinderten gespielt. Die Reaktionen sind bei jedem Publikum gleich begeisternd. Naturgemäß muss man natürlich das Publikum dort abholen wo seine Stärken liegen. Das wird bei jeder Gruppe anders sein.

Welche Anforderungen stell die Bauchladenbühne an den Spieler


Papiertheaterspieler werden sich damit leicht tun, lieben sie doch Ihr Publikum und haben keine Scheu vor Menschen. Gut ist es , wenn man ein über bisschen freie Rede und Improvisationstalent verfügt, ist eigentlich schon alles  gut gelaufen.

Ist das noch Papiertheater


Diese Frage höre ich natürlich seit ich Papiertheaterstücke produziere und spiele. Was also das Material anlangt, sind meine Stücke für die Bauchladenbühne reine Papiertheater. Hier ist wirklich alles aus Papier und Karton. Bis auf ein klein wenig Licht und die Explosionsmaschine gibt es absolut keine Technik. Da mich schon bei den Vorstellungen der Märchen mit der klassischen Papiertheaterbühne an keine klassischen Papiertheater-Text-Vorlagen gehalten und immer nur stegreif gespielt habe, ist der Unterschied für mich persönlich nur der, dass ich nicht hinter einem Vorhang stehe, sondern dem Gast direkt ins Angesicht sehen kann. Für mich steht an oberster Stelle, das Publikum zum Lachen, Weinen oder zum Staunen zu bringen. Ich werde in Zukunft bei Formen des Papiertheaters pflegen: sowohl die klassische Form mit der großen Bühne, als auch jene mit der Bauchladenbühne.

Dienstag, 11. Oktober 2016

SO EIN THEATER! Dabei ist alles aus Papier

ein kleiner Blick in die Welt des Papiertheaters

Das Bezirksmuseum Wieden

Das Bezirksmuseum des 4. Wiener Bezirks "Wieden" , in der Klagbaumgasse 4, war bis in die 1980er Jahre ein öffentliches Brausebad. Das Haus wurde nach der Schließung des Bades komplett renoviert und beherbergt nun zwei Museen: das Bezirksmuseum Wieden und das "Rauchfangkehrer-Museum". Seit 2009 bin ich eingeladen, im Vortragssaal des Museums mit meinem Papiertheater öffentliche Vorstellungen zu spielen. Fast 60 Vorstellungen sind seitdem dort  "über die Bühne gegangen" und ich konnte vielen "Kleinen und Großen" das Papiertheater vorstellen und viel Freude damit bereiten. Das Museum ist verkehrstechnisch ideal  per Straßenbahn und Autobus erreichbar. Der kleine Vortragssaal kann mit maximal 30 - 40 Sesseln bestuhlt werden. Idealerweise lade ich aber immer nur etwa 25 Gäste pro Vorstellung ein.

Eine sehr kleine und bescheidene Papiertheaterausstellung

Der Leiter des Museums, Herr Prof. Felix Czeipek und seine Kustoden haben mich heuer im Juni eingeladen, eine Ausstellung zum Thema Papiertheater zu gestalten. Gerne bin ich diesem Wunsche nachgekommen und habe aus den eigenen Beständen eine wirklich sehr kleine Übersichtsausstellung zusammengestellt. Dabei ist daran gedacht, diese Ausstellung den Bürgern des 4. Wiener Bezirks zu zeigen und ihnen einen kleinen Blick in die Welt des Papiertheaters zu schenken. Die Ausstellung kann die Erwartungen von Papiertheatersammlern und -kennern in keiner Weise erfüllen. Dazu ist mein Wissen über die Vielfalt des Themas viel zu gering, die zur Verfügung stehende Vorbereitungszeit zu kurz und der Ausstellungsraum viel zu klein.

Der Raum, in welchem die Ausstellung gezeigt wird, war ehedem die Kassa des Bades und bietet etwa 9 Laufmeter Ausstellungsfläche.



Klare und einfache Gliederung

Ich  zeige eingangs Beispiele einer barocken Guckkasten-Bühne (in Form eines Nachdruckes einer Engelbrecht-Krippe) sowie einer "Trentsensky-Bühne" (ebenfalls aus Nachdrucken). Darüber hinaus zeige ich Kopien von Proszenien, Vorhängen, Bühnenbildern und Kulissen sowie Figuren von verschiedenen Verlagen. Danach  stelle ich meine Bühne vor: mit den Stücken, der Spielstätte "Bezirksmuseum" und einen Blick hinter die Bühne. Kleine Beispiele von Figurenführern, Textheften, Verwandlungsfiguren runden das Thema ab. Abschließend präsentiere ich mein absurdes Stück und meine Bachladenbühne. Zwischen den Schautafeln treten quasi Papiertheaterfiguren aus der Wand heraus. Dies ist zugleich Trennung zwischen den Themen und Dekoration. Die Figurenbespiele reichen von Trentsentkys Figuren für ein Conversationsstück bis zur Elisabeth aus TANNHÄUSER KURZ UND GUT (von U.Chmel gezeichnet).

 

Wissenschaftlicher Kern


Vor einigen Jahren ist eine Dame, die gerade nach Ihrer Pensionierung mit dem Studium der Theater- und Medienwissenschaft begonnen hatte, mit dem Vorschlag an mich herangetreten, Ihre Bachelor-Arbeit über das Thema DAS PAPIERTHEATER IM 19. JAHRHUNDERT - Spiel oder Theater?  zu schreiben. Soweit ich konnte, habe ich Frau Inge Mansky dabei unterstützt. Diese Arbeit kann nun im Zuge der Ausstellung eingesehen werden und bildet damit sozusagen den "wissenschaftlichen Kern". Darüber hinaus hat Frau Inge Mansky bac. auch eine Arbeit über eine Aufführung meiner Vorstellung DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWEFELHÖLZCHEN geschrieben. Auch diese Arbeit kann im Rahmen der Ausstellung gelesen werden.

Ausstellungsdauer

Die Ausstellung wird am Donnerstag, dem 13. Oktober 2016, um 18 Uhr eröffnet und bleibt bis März 2017 zu sehen.




Dienstag, 31. Mai 2016

HEUTE WAR ÖFFENTLICHE PREMIERE MIT DER BAUCHLADENBÜHNE

Bilder ohne Worte

Die Premiere mit meiner  Bauchladenbühne am 31.5.2016 in Wien

In Wien sagt man: "Es war eine Hetz *)"



AUF GEHT'S

DAS IST DER WOLF

UND SO KANN ER DIE BEIDEN VERSCHLUCKEN

ROTKÄPPCHEN LERNT DEN  WOLF IM WALDE KENNEN

GROSSMUTTER; WOZU HAST DU SO GROSSE OHREN?



Fotos: Valentina Mitterer

*) für : Es war besonders lustig, alle haben sich sehr gut unterhalten!